Der Friedenshain

Die heute „Friedenshain“ genannte Gedenkstätte wurde in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts als „Heldenhain“ geplant und erschaffen. Der Wandel des Namens und die mit den Jahren veränderte Gestaltung der Anlage spiegeln eindrucksvoll ein Stück deutscher Geschichte und – mehr noch – eine sich wandelnde Einstellung zur Geschichte wider.

Vorbild des ursprünglichen Heldenhaines waren zeitgenössische Entwürfe des Berliner Gartenbaudirektors Willi Lange, die sich an „urgermanische“ Vorbilder anlehnen sollten. Der damalige Neumünsteraner Stadtbaurat Wilhelm Junglöw setzte diese Ideen ab 1915 in seiner Planung um. Aber erst Jahre nach Ende des Ersten Weltkrieges beginnt 1921 die Bauphase.

Im Herbst werden 15 große Findlinge aus den Hüttener Bergen angefahren sowie 1300 Eichenheister. Die Findlinge sollen die Namen der 1217 Neumünsteraner tragen, die im Ersten Weltkrieg gefallen waren, einem jeden von ihnen soll zum Gedenken eine Eiche gepflanzt werden.

Die Erd- und Pflanzarbeiten werden mit viel ehrenamtlichem Engagement größtenteils von Neumünsteraner Schulen und Sportvereinen sowie den damals zahlreichen Militär- und Kriegervereinen durchgeführt. Auf diesem „Festplatz“ sollten achzig- bis hunderttausend Einwohner Neumünsters Platz finden.

Es stellt sich jetzt aber heraus, dass die Umsetzung des groß geplanten Vorhabens durch die finanziellen Nöte und Wirrungen, die die einsetzende Inflation allerorts mit sich bringt, arg in Bedrängnis gerät.

Letztlich ziehen sich die Bauar-beiten bis zum Jahr 1933 hin. Dann besteht die 21 ha große Anlage aus dem zentralen runden Festplatz mit Zu- und Umwegung, dem umge-
benden im Raster gepflanzten Eichenhain und einer 2 m hohen bepflanzten Umwallung mit Entwässerungsgraben.

Während wir diese Grundstrukturen heute noch in der Gedenkstätte wiederfinden, gehört zur damaligen Anlage noch eine 2,5 m hohe Rednertribüne aus Feldsteinen. Geplant war darüberhinaus noch ein monumentales Eingangsbauwerk, das aber auf Grund der finanziellen Nöte nie umgesetzt wurde. Lediglich ein provisorisches Torwerk aus Astholz wurde errichtet, das ebenso wie die Rednertribüne nach dem Zweiten Weltkrieg abgebrochen wurde.
Im Rahmen der Wiederherstellung der Anlage nach 1945 wurden die im westlichen Teil liegenden kleineren Gedenksteine der Landsmannschaften eingebracht, an Stelle der Rednertribüne wurde nun zentral ein 4 m hoher Gedenkstein für die Opfer des
2. Weltkrieges aufgestellt.

Erst in den Achziger-Jahren des letzten Jahrhunderts führte die zunehmende öffentliche kritische Auseinandersetzung mit der Rolle der Wehrmacht während der NS-Zeit dazu, dass auf Beschluss der Neumünsteraner Ratsversammlung 1987 der Heldenhain offiziell zu „Friedenshain“ umbenannt wurde. Zwei Jahre später wurde auf dem Platz eine kreisrunde Bronzeplatte installiert, die folgenden Text trägt:

Wehret den Anfängen –
Nie wieder Krieg –
Nie wieder Faschismus –
Den Lebenden zur Mahnung –
Den Opfern von Krieg und
Gewaltherrschaft

Der Friedenshain stellt heute eines der wenigen Antikriegsdenkmale in Schleswig-Holstein dar und un‑
terliegt als Ensemble dem Denk‑
malschutz. Die Stadt Neumünster stellt durch gezielte Pflege‑
maßnahmen den umgebenden Eichenhain wieder her, die teils schon verwitterten Inschriften der Gedenksteine wurden durch den ehrenamtlichen Einsatz der Reservistenkameradschaft Neumünster erneuert.